Dänu Käser über Dänu

Bereits als ich im Kindergarten war, wollte ich Astronaut werden. Also begann ich damit, sämtliche Informationen über Astronomie und Raumfahrt zu verschlingen, die mir in die Hände fielen - schliesslich wollte ich bereit sein, wenn die nächste Rakete zum Mond fliegen sollte. Meine Eltern erzählen heute noch, dass ich in der dritten Klasse meinen Lehrer während der Schulstunde unterbrochen habe, um ihn auf eine Falschaussage seinerseits hinzuweisen – es ging dabei um Planeten oder irgendwelche sonstigen Himmelskörper. Das zeigt nicht nur, dass ich schon damals ein unverbesserlicher Besserwisser war, sondern auch, mit welcher Faszination und Energie ich in diese Materie eintauchen konnte.

Meine spätere Schullaufbahn hingegen glich dem Weg, den Wasser talabwärts nimmt: Immer entlang des geringsten Widerstandes. Das hiess für mich Gymnasium mit anschliessendem Geografie- und Geschichtsstudium. Wenn mich Vater Staat nicht zu einem guten Jahr Zivildienst verdonnert hätte, wäre ich vermutlich immer noch auf diesem Weg unterwegs. So aber durfte ich in mehreren langen Zivi-Einsätzen die heilpädagogische Grossfamilie Sunneblueme kennenlernen, wo ich vor allem mit der Betreuung von Kindern und Jugendlichen mit einem viel schwierigeren Lebenshintergrund, als ich ihn je erlebt habe, beschäftigt war. Die Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen war zwar oft streng und fordernd, aber für mich auch sehr erfüllend. Deswegen war es ein Glück, dass ich kurz nach meiner Zivi-Zeit als Mitarbeiter einsteigen und weitere sechs Jahre lang neben dem Studium an den Wochenenden dort tätig sein durfte. Ich habe in dieser Zeit viel über mich selbst gelernt und meine Erfahrungen in dieser heilpädagogischen Grossfamilie haben meinem Leben definitiv eine neue Richtung gegeben.

Als ich in der Sunneblueme aufgehört habe, durfte ich verschiedene, auch längeren Stellvertretungen übernehmen (trotz mangelndem Diplom - dem Lehrermangel zu dieser Zeit sei Dank). Auch das Unterrichten hat mir sehr grossen Spass gemacht, weswegen ich an der PH mit dem Studium zum Oberstufenlehrer begonnen habe. Und für das Schuljahr 2017/2018 hat mich der Zufall in die alternative Privatschule Merkmal! in Baden geführt. Hier durfte ich erstmals mit grösserem Gestaltungsfreiraum als Lehrperson tätig sein:

Regelmässig in den Wald, allmorgendlicher Bewegungseinstieg, Mitbestimmung durch die Kinder, gemischte Altersgruppen… für mich ein fantastisches Jahr! Ich habe mich seitdem intensiv mit alternativen Schulformen auseinandergesetzt und bin mittlerweile überzeugt, dass selbstbestimmtes Lernen der Schlüssel zu einer nachhaltigen Bildung ist, die glücklich und kompetent macht. Die Energie, die mich im Kindergartenalter dazu bewegt hat, alles über Astronomie und Raumfahrt aufzusaugen, sehe ich in jedem Kind. Wieso sollte diese wunderbare Kraft durch starre Strukturen, ständige Leistungskontrollen und sinnlose Aufgaben unterdrückt werden, wenn sie einem jungen Menschen doch alles bietet, was er zum selbstbestimmten Erwerb unserer Kulturtechniken braucht?

 

Was mich in dieser Ansicht bestätigt, sind Lernerfahrungen aus meinem eigenen Leben. Ich liebe es, spielerisch Neues zu lernen! Deswegen zieren unsere Wohnung in Bern zwei Regale voller Brett- und Kartenspiele und deswegen kann ich mich auch nicht einem einzelnen Hobby fix zuwenden, sondern entdecke immer mal wieder eine neue Leidenschaft (in den letzten zehn Jahren u.a. Klettern, Tanzen, AcroYoga, Jonglage, Slacklinen und Gitarre).

 

Mittlerweile versuche ich auch beim Unterrichten in der Volksschule Spiel, Bewegung und Beziehungen in den Vordergrund zu stellen und meine Schülerinnen und Schüler mitbestimmen zu lassen. Dies ist in den gegebenen Strukturen nicht immer gleich einfach. Deswegen freue mich schon jetzt darauf, die Funktion einer Lehrperson mit der eines Lernbegleiters an der Unico-Schule einzutauschen!

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