Von der Vision zum laufenden Schulbetrieb

Ein Gespräch mit Unico-Mitinitiantin Aurelia Haag

Seit 5 Jahren setzt sich Aurelia Haag für die Unico-Schule ein, von der ersten Vision über die Gründung der Schule bis heute.

Aurelia ist Sozialpädagogin und Mutter von zwei Kindern. Sie liebt es, sich zu bewegen, neue Dinge zu lernen, ein System für Ordnung zu generieren, das Mensch sein an sich und das erforschen von Lernen.

An der Unico ist sie in mehreren Kreisen in der Schulorganisation und -verwaltung aktiv und zur Zeit auch vermehrt im Schulalltag anzutreffen. Wir haben ihr Jubiläum zum Anlass genommen, sie über ihre Erfahrungen an der Unico auszufragen.


Aurelia, wie ist die Idee zur Unico eigentlich entstanden?


Ich hatte mich schon eine geraume Weile mit dem freien Lernen auseinandergesetzt und dachte über die Gründung einer freien Schule nach. Das war aber alles nicht so konkret. Dann stiess ich via Internet auf die zwei damaligen Mitinitiantinnen. Der Zufall wollte es, dass ich gerade zu dieser Zeit meinen letzten Job gekündet hatte, weil es einfach nicht passte. Nun hatte ich Zeit und vor allem auch Lust, bei einer Schulgründung mit zu helfen.


Was hat es dann gebraucht von der Idee bis zur Unico, wie sie heute ist?


Für eine Schulgründung ist sicherlich eine starke gemeinsame Vision wichtig. Wir haben zusammen während 2.5 Jahren etwa 100 Stellenprozente ehrenamtlich für den Aufbau investiert. Und dies ohne die Aussicht, je viel Gewinn machen zu können.

Ein Leitbild und ein Organisationsmodell erarbeiten, eine Homepage gestalten, einen Businessplan schreiben, Räumlichkeiten finden, eine Genossenschaft gründen, Versicherungen abschliessen, Arbeitsverträge ausarbeiten, Bewilligungen einholen, Räumlichkeiten einrichten, ein pädagogisches Konzept erstellen, administrative Prozesse aufgleisen, mir die Grundlagen der Buchhaltung und der Finanzplanung aneignen, die Partizipation der Community sicherstellen – dies sind einige Stationen, die wir während der ersten Zeit durchlaufen haben.


Was waren dabei die grössten Stolpersteine, hast Du auch schonmal gedacht, dass es nicht weitergeht?


Obwohl wir die Schule aktuell im dritten Jahr betreiben, befinden wir uns immer noch mitten in der Aufbauphase. Dies vor allem in den Bereichen des Schulalltages und der Elternmitwirkung, bzw. der Soziokratie. In diesen Bereichen investieren eine Menge von Menschen immer noch unsäglich viel Zeit, um einen tragendes und nachhaltiges Fundament zu erschaffen.

Grosse Stolpersteine, die es immer wieder zu überwinden gibt, sind unter anderen die Zwischenmenschlichen – verschiedene Fähigkeiten und Sichtweisen, Erwartungen und persönliche Investitionen. Scheinbar unlösbare Differenzen lassen einen dann schon zweifeln, ob und wie es so weitergehen kann. Während den letzten 5 Jahren erlebte ich zwei wirklich anstrengende Tiefpunkte.


Was denkst Du, macht die Unico einzigartig?


Einzigartig an der Unico ist sicher die soziokratische Organisationsform in Kombination mit dem selbstbestimmten Lernen. Als einzigartig erlebe ich aber auch die Möglichkeit mit einem Teilzeitpensum Verantwortung übernehmen und viel bewegen und erschaffen zu können.


Und was wünschst Du Dir, wo soll es mit der Unico noch hingehen? Wo siehst Du die Unico in 5 Jahren?


Ich wünsche mir, dass wir es schaffen, finanziell und in Bezug auf die zeitlichen und fachlichen Ressourcen nachhaltig unterwegs zu sein. Konkret heisst dies, dass wir den Mitarbeitenden möglichst einen branchenüblichen Lohn bezahlen können, damit wir auch die Chance haben, in jedem Bereich fachlich erfahrene und ausgebildete Menschen für die Mitarbeit zu gewinnen. Das heisst auch, dass der Betrieb nicht von einer Person abhängig sein soll, dass das Klumpenrisiko minimiert wird. Ich sehe die Unico in 5 Jahren in einer alten Stadtvilla mit Umschwung, in der es Platz für 60 Kinder und Raum für ein Co-Working gibt, mit einer stabilen Schul-Kultur mit Ritualen und Abläufen, in denen sich alle wohlfühlen.


Wenn Du heute nochmal Kind wärst an der Unico, was würde Dir am besten gefallen?


Ich hatte schon als Kind immer viele Projekte und Interessensgebiete, denen ich aber oft nicht nachgehen konnte – sei es aus Mangel an Zeit oder Inspiration. Mir würde an der Unico gefallen, dass ich die Möglichkeit hätte in meinem Tempo vorwärts zu arbeiten und mich in jene Themen zu vertiefen, die mich grad brennend interessieren.


Liebe Aurelia, wir danken Dir von Herzen für Deinen enormen Einsatz die letzten Jahre und hoffen, dass Du Deine Talente noch lange in der ein oder anderen Form an der Unico einbringen wirst!!

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