Wie geht ein Lager in einer selbstbestimmten Schule?

Bericht einer Lernbegleiterin


Ende August dieses Jahres ging es für eine Woche nach Aeschi bei Spiez mit zwölf Unico-Kindern zwischen 8 und 11 Jahren. Die Hälfte der Kinder war bereits das zweite Mal in diesem Lagerhaus, die andere Hälfte das erste Mal und für viele auch das erste Mal so lange ohne Eltern weg von zuhause. Die Teilnahme war freiwillig und allen Kindern ab 8 Jahren offen, aber nur wenige blieben zuhause.

Als Lagerhaus haben wir das Jugendhaus Aeschi ausgewählt, da es gut erreichbar ist, das Preis-Leistungsverhältnis und die Umgebung stimmt. Das Haus bietet alles was wir brauchen https://www.egw.ch/egw/jugendhaus-aeschi. Kurz, ein wunderbares Haus mit netten Vermietern. Das Leiterteam bestand aus mir und Yanick. Wir haben beide sehr viel Lager- und Leitererfahrung und waren schon letztes Jahr das Leiterteam.

Aber wie läuft nun eine Landschulwoche einer selbstbestimmten Schule ab? Gibt es überhaupt ein Programm oder können die Kinder machen was sie wollen? Die Antwort ist; es ist nicht viel anders als ein Lager einer öffentliche Schule und doch war es ganz anders.

Wir führten Rituale ein wie Tagebuch schreiben, es gab feste Essenszeiten, Zu-Bett-geh-Zeiten, ein gemeinsames Abendprogramm und sogar einen Ämtliplan. Zudem mussten sich alle an vorher gemeinsam abgemachte Lagerregeln halten.

Aber wir nahmen uns die Freiheit, nicht schon im Voraus die ganze Woche verplant zu haben. Genauer gesagt war der erste Tag geplant und danach hatten wir Ideen, die wir in unseren Köpfen mitnahmen, aber es war noch nichts fix abgemacht.

Jeden Tag wurde der Aeschi-Rat abgehalten. Dort diskutierten wir soziokratisch, wie das Programm des nächsten Tages aussehen soll und gingen auf Wünsche ein. Manche konnten wir leicht erfüllen (Hallenbadbesuch, weil es letztes Jahr so gefägt hat), andere Wünsche konnten wir gemeinsam klären, warum diese nicht möglich sind (Wanderung auf den Niesen so spontan ist nicht möglich). Vielfach war unser Programm auch einfach kein Programm zu haben, das Lagerhaus und die Umgebung zu geniessen und den Kindern den selbstbestimmten Freiraum zu geben. Sie nutzten diesen mit Zeichnen, Fussball spielen, Gesellschaftsspielen, lesen, Diskussionen, die Umgebung auskundschaften. Also so, wie sie ihren Unico-Schulalltag selbstbestimmt gestalten.

Und genau hier habe ich gemerkt, dass dies der Unterschied zu anderen Lagern war, in welchen vielfach alle das Gleiche machen (mussten) und höchstens am Abend ein, zwei Stunden "Freizeit" hatten. Weil die Kinder das selbstbestimmte Lernen gewohnt sind, mussten wir keine grosse Animation starten und die Kinder suchten sich ihre Beschäftigung selber. An dieser Stelle sei angemerkt, dass es auch den Unico-Kindern langweilig sein kann und darf. Wichtig ist, diese Langeweile, diese Ruhephase zuzulassen, damit daraus wieder Neues entstehen kann.

Am Freitagmittag kehrten wir mit müden Kindern zurück, aber auch mit Kindern, die voll mit persönlichen Erlebnissen und Erfolgen waren, jedes Kind ganz individuell. Und mit dieser Woche konnte jedes Kind einen kleinen Schritt in der Persönlichkeitsentwicklung machen. Es war eine tolle Woche und ja, das Haus ist für nächstes Jahr schon gebucht. Diesmal das grössere Haus, schliesslich werden mehr Kinder mitkommen wollen. Das Lager wächst wie die Unico, Schritt für Schritt.


Text: Simone Schälin/ Bilder: Schulalltag

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