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Beziehungsnetz Unico – Interview mit einer Unico-Familie

  • 7. Feb.
  • 4 Min. Lesezeit

Wie sieht die Unico aus Sicht einer Familie aus? Wir haben eine Unico-Familie interviewt, die seit Sommer 2018 Teil der Unico-Community ist und deren Tochter die Unico seit dem offiziellen Start 2019 als Schülerin besucht.



Könnt ihr euch vorstellen und erzählen, wer zu eurer Familie gehört?


Zu uns gehören 5 Köpfe und 14 Beine.

Lielle: Tänzerin 11 Jahre

Markus: Papa, Hunde Fan und im Account Management tätig

Angela: Mama, Lebensforscherin und Komplementärtherapeutin

Gloria und Xhaka: Geniesserinnen des Hundelebens


Ihr seid bereits 8 Jahre mit der Unico unterwegs. Was war damals Eure Motivation, euch für die Unico als Alternative zur Regelschule zu entscheiden?


Im Rahmen von Aus- und Weiterbildungen haben wir uns lange mit unserer eigenen Geschichte und unserem innewohnenden Potential auseinandergesetzt. (Das tun wir eigentlich immer noch :-). Die Frage «Was braucht ein Lebewesen für seine Entfaltung?» schwingt seit vielen Jahren immer in mir. Mit der Offenheit für eine Alternative zur Volksschule sind wir auf die «Ursprungsgründerinnen» der Unico aufmerksam geworden. Im Sommer 2018, ein Jahr vor offiziellem Start, sind wir als eine der ersten Familien dazugestossen. Uns hat einerseits die Idee des gemeinschaftlichen, als auch das Leitbild angezogen. Eine Schule, bei der Vertrauen und Beziehung zentral sind und die Kinder selbstbestimmt ihren Lernweg gehen können. Es war sozusagen ein Familienprojekt. Wir wollten Lielle nicht einfach in einer Schule «abgeben» sondern beim Aufbau mitarbeiten, die Schule mitgestalten und durch die Soziokratie auch später eingebunden sein.


Wurden eure ursprünglichen Erwartungen erfüllt? Was war vielleicht ganz anders, als gedacht?


Im Grossen und Ganzen kann ich heute sagen, dass unsere Erwartungen erfüllt wurden. Unter anderem durch die soziokratische Organisationsform und dadurch, dass die Schule noch so jung ist, gibt und gab es immer wieder Bewegungen. Ich hätte ehrlich gesagt nicht gedacht, dass der Weg so schwierig und emotional sein würde. Jetzt ist aber viel Ruhe eingekehrt.


Was unterscheidet den Alltag an der Unico am stärksten von dem an einer Regelschule?


Meine Regelschulzeit liegt schon eine Weile zurück, aber ich denke einer der grossen Unterschiede liegt im Stundenplan. In der Unico ist die Struktur offener gestaltet. Die Kinder vertiefen sich oftmals individuell in den Themenbereichen, die sie gerade interessieren.

Für mich liegt ein zweiter grosser Unterschied in den Beziehungen. Dadurch dass die Unico-Gemeinschaft auch ein Teil der Schule ist, gibt es viele Verbindungen zwischen Familien, aber auch von Familien zu Lernbegleiter*innen. Die Kinder sind per Du mit allen und das Klima ist sehr familiär. Wenn ich die Unico anschaue, dann sehe ich oftmals ein grosses Beziehungsnetz, in das die Kinder gut eingebettet sind.


Gibt es etwas, das ihr als Eltern durch die Unico neu gelernt habt?


Wo soll ich anfangen? Ich glaube die Liste ist unendlich lang. Ich habe während den letzten Jahren noch tiefer begriffen was «ein Leben lang lernen» und «fürs Leben lernen» heisst. Ich denke oft, dass ich mindestens so viel gelernt habe wie Lielle. Ich begebe mich in der Unico immer wieder in Gebiete, in die ich mich in einem anderen Rahmen nie begeben würde. Da ich eben auch gerne selbstbestimmt unterwegs bin, erlaube ich mir eine kleine Auflistung mit nur einigen wenigen Dingen.

Hard Skills: Wie gründet man eine Genossenschaft und eine Schule?, Wände streichen, Räume einrichten, Coronamanagement, Soziokratie verstehen und leben, Facebook, Instagram und Co., Konzepte schreiben.

Soft Skills: Vertiefung der Selbstreflexion, Konfliktlösung, Sitzungen leiten, Entscheidungen treffen (viiiiele), Kommunikation, Kommunikation, Kommunikation!


Gab es Herausforderungen oder schwierige Phasen?


Ja, ganz viele sogar! Ich habe oft gesagt «Wenn ich gewusst hätte, was da auf mich zukommt, hätte ich «dieses Projekt» wahrscheinlich nicht gestartet».

Dennoch haben wir als Familie immer noch ein klares «Ja» für die Unico. Schwierige Phasen und Grenzerfahrungen gehören meiner Meinung nach zum Leben dazu. Durch die vielen Jahre mit der Unico habe ich noch besser gelernt, wie ich in diesen Phasen gut für mich sorgen kann. Ich geniesse nach den Turbulenzen die Zeit der Stille und staune, was nach einer Herausforderung wächst. So entstehen z.B. immer wieder neue/ bessere Strukturen in der Schule.


Was erfordert aus eurer Sicht besonders viel Offenheit oder Umdenken?


Ich habe mich natürlich in den letzten Jahren viel mit dem Thema Lernen auseinandergesetzt. Lielle lernt in der Unico, aber übrigens auch sonst im Leben, selbstbestimmt. Das heisst der Lernweg wird, im Vergleich zu Regelschüler*innen, viel individueller. Es braucht dort unserer Meinung nach viel Offenheit und viel Vertrauen, dass sich das Kind die Dinge auf seinem ganz eigenen Weg erschliesst.


Was ist der grösste Gewinn für euch als Familie durch die Unico?


Da kann nur jede*r für sich sprechen:

Lielle: Dass wir am Mittwoch ab der 5. Klasse alle zusammen kochen.

Angela: Ein Kind dass seinen Impulsen folgen kann und an einem Ort ist, an dem es sich sicher und wohl fühlt. In einer Gemeinschaft zusammen auf dem Weg sein.

Markus: Dass wir auch als Familie lernen, Freiheit zu leben.

Gloria und Xhaka (Hunde): Viele Guddelis und Chräbelis.


Was muss man mitbringen als Unico-Familie?


Nebst den zwei total unromantischen Dingen Zeit und Geld vor allem auch Neugier, Mut und Vertrauen.


Was wünscht ihr der Unico?


Lielle: Mehr Platz und mehr Raum und schönere Zimmer.

Markus: Dass die Schule so frei bleiben kann, wie sie ist. Viele tolle Familien.

Angela: Dass die Schule genügend Ressourcen hat, um stabil zu bleiben und sich stetig weiterzuentwickeln.


Vielen Dank für das Interview!


(Interview: Lucy Gmelch / Bild: Angela Bhend)



 
 
 

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